Nasslackierung - worauf kommt es an?
Shownotes
Infos zum Podcast:
Praxis-Power für Beschichter – der Podcast aus der Praxis für die Praxis von Matthias Bader und Markus Vüllers.
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Praxis-Power-Tag für Beschichter
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Matthias Bader: Hallo Markus! spürst du auch das Rauschen? Das Jahr ist ja schon in voller Fatt.
Markus Vüllers: Hallo Matthias.
Markus Vüllers: Ist schon fast wieder rum,
Matthias Bader: Nein, jetzt mal doch, dass der jetzt jetzt wollen wir erstmal die Ruhe und die Besinnung und die guten Ideen von den Weihnachtsfeiertagen jetzt wirklich auf die Straße bringen. Ich bin
Markus Vüllers: Ja, sag mal, die zwei Wochen sind schon, muss reichen, Besinnlichkeit und Weihnachten zu verarbeiten.
Matthias Bader: Das war aber 14 mal duschen, 3 mal spazieren gehen. Das sind alles die Brain-Tankstellen. Da kann man tolle Ideen sammeln. Ich bin jetzt bei einem Beschichtungsbetrieb. Da geht es um die Kompetenzen im Team stärken, damit die Entscheidungen auch ohne den Chef getroffen werden können.
Markus Vüllers: Das ist eine gute Idee.
Matthias Bader: Ja, weg von der Abhängigkeit hin zur Eigenverantwortung. Da geht es ein bisschen miteinander reden, Kompetenzen und Absprache. Ich habe paar tolle Sachen vorbereitet, ich bin gespannt, wie es läuft. Und... Aber ich muss sagen, ich war letztes Jahr bei einer Besserlackierenveranstaltung in Stuttgart im IPA, also im Fraunhofer Institut. Und da würde zusammen mit diesen zwei Partnern haben die besten Lackierbetriebe in ganz Dachgebiet ausgezeichnet. Und das ist immer wieder toll. eine inspirierende Veranstaltung. Es gibt doch noch Leuchttürme bei den Beschichtungsbetrieben, die man wirklich anschauen kann. Von groß bis klein. Und das Kleine ist eben auch das Beeindruckende, dass es auch da tolle Betriebe gibt, die wirklich eine tolle Leistung haben. Die Wolf-Meyer-Beschichtungen aus Goldwirt in Österreich, die hat schon seit drei oder vier Jahren die Viertage-Woche.
Markus Vüllers: Hm.
Matthias Bader: Und ich sagt, die Leute sind glücklich, der Energieverbrauch lohnt sich und es sind im Prinzip alle gewinnen durch die konsequente Umsetzung dieser Arbeitszeit-Idee. Und das heißt nicht, dass diese Lösung für jeden übertragbar ist, aber die Firma hat es erfolgreich umgesetzt mit zufriedenen Mitarbeitern und das kann jeder begutachten auf Instagram und Co. Da sieht man, dass dieser Spirit da ist. Ja, was war bei dir?
Markus Vüllers: Ja, war vor Weihnachten einiges los, aber ich heute ein Thema, über das ich berichten möchte. Ich bin tatsächlich, ich habe den Jungbrunnen gefunden. Ich bin also schlagartig 19 Jahre jünger geworden. Und nur durch das regelmäßige Nutzen von künstlicher Intelligenz.
Matthias Bader: Ja super.
Matthias Bader: Da braucht man keine Kapselnschlucken, keine Nahrungsergänzung. Es genügt harter, konsequenter Einsatz von JetGPT.
Markus Vüllers: Genau. ich... Es ist ja so, man muss ja einfach mal ein paar Sachen ausprobieren. Und gerade so diese ganzen Large-Language-Models, die haben ja im letzten Jahr ja unheimlich viele Updates erfahren und relativ viel gemacht. Mein KI-Einsatz ist halt doch mittlerweile sehr regelmäßig und intensiv. Ich schreibe zwar meine ganzen LinkedIn-Posts alle... eigenständig, aber ich nutze natürlich auch dann ab und an mal das ein oder andere KI generierte Bild, sowohl bei LinkedIn, aber auch in Vorträgen. mich hat dann jemand auf die Idee gebracht, ChatGPT doch mal zu fragen, wie aufgrund meiner Aktivitäten, die ich bei ChatGPT mache, mein ChatGPT-Alter aussieht in Bezug auf Nutzung des Tools. Ja, das habe ich dann gemacht, habe einen entsprechenden Prompt gebastelt und siehe da, kam ein Alter von 42 raus und dann habe ich natürlich der KI gesagt, sie sollen mir das bitte mal erklären, wie die denn auf dieses Alter kommt und ja, die hat das dann im Prinzip mit der Art der Promts, dem Hinterfragen von Antworten, mit dem Kritisieren von schlechten Antworten, mit dem Korrigieren von Halluzinationen, also doch sehr umfangreich, ja, begründet und beschrieben, sodass ich das ganze Thema recht interessant fand. Und muss sagen, ja, dass, ob da jetzt ein Alter von 42 rauskommt, das ist mir relativ schnuppe, aber was da mittlerweile auch geht und wie analysiert und interpretiert wird, das war Anfang... 2025 in der Form noch nicht möglich. Anfang 2024 noch überhaupt nicht denkbar. Und da merkt man mal, wie sich so diese ganzen Werkzeuge in den letzten zweieinhalb drei Jahren entwickelt haben. Und ja, das war für mich so eine Erkenntnis. Ich werde also keine Pillen schlucken. Ich werde an dieser Entwicklung weiter teilnehmen. Ich werde zusehen, dass ich auf dem aktuellen Stand bleibe, die Werkzeuge nutze und das wirklich als Werkzeug.
Markus Vüllers: optimal anwende für mein Business und das war so mein Erlebnis der letzten Wochen.
Matthias Bader: Ja, wichtig ist bei KI richtig prompten. Also das heißt auf Deutsch eine ordentliche Frage stellen. Und es ist eben nicht nur eine Google-Suche, Restaurant, Lanzarote, sondern wirklich deine Idee, was willst du denn überhaupt in Lanzarote machen? Willst du da traditionell essen mit der Frau oder... Und da wird es einfach ausschmücken. Und ich selber nutze es natürlich sehr viel auch zum Schreiben lassen, weil ich mich freue, wenn ich einen schönen geschriebenen Text habe, aber basierend auf meinen Ideen. Und generell ist es wichtig beim Einsatz von KI, dass man selber die Kompetenz hat, die Antwort zu hinterfragen. Und wenn man das macht, dann denke ich, ist das eine ganz tolle Hilfe. Tolle Hilfe ist auch eine Spredose mit zwei Komponenten-Technik. weil da kann ich eine hochwertige Beschichtung oder Reparaturlackierung machen in Erstausrüsterkvalität. Und das heißt, ist eben nicht nur eine Baumarktspritze, die ich mir für 3 Euro irgendwie aus der Wühlkiste raushole, sondern ich kann mit der richtigen Technologie eine hochwertige Flüssiglackbeschichtung auch ohne Technikpark machen. Aber wir wollen ja heute den Technikpark der Flüssiglackierung uns anschauen.
Markus Vüllers: Genau, wir sind ja im letzten Jahr mal angefangen, dass wir so den gesamten Lackier- und Beschichtungsprozess mal durchlaufen, haben die Vorbehandlung abgearbeitet, den Haftwassertrockner, haben uns über manuelle und automatische Pulverbeschichtung unterhalten, sind jetzt also immer noch irgendwo im Bereich der Beschichtungs- und Lackierkabine und wollen uns jetzt heute mal mit der Nasslackierung, mit der Flüssiglackverarbeitung auseinandersetzen, welche Dinge es zu beachten gibt. wenn ich in einer Lackierkabine an einem Lackierstand stehe und einen flüssigen Lack verarbeite.
Matthias Bader: Wollen wir gerade mal den Lack uns anschauen? Was gibt es denn da für verschiedene Lacksysteme? Muss man da überhaupt so ein Hexenwerk draus machen?
Markus Vüllers: Das spannende aus meiner Sicht ist eigentlich immer die die Fragestellung, wenn man jetzt mal reinweg von der Definition her geht, ist das ja alles von der Chemie her im fertig ausgehärteten Zustand alles ein und dasselbe. Das macht ja keinen Unterschied, ob ich eine Pulverbeschichtung ausgehärtet habe und eine Lackierung habe oder ob ich einen Nasslack ausgehärtet habe. Das heißt die meisten Technologien von Seiten der Chemie und von Seiten der Eigenschaften, es beim Pulverbeschichten gibt, gibt es in der Nasslackierung auch. Ich ein komponentige Systeme, zwei komponentige Systeme. Ich kann das flüssig machen durch Lösemittel erreichen, wie seit und je. Ich kann das aber auch wässrig machen, kann also die organischen Lösemittel durch Wasser ersetzen. Was ich aber auf jeden Fall im Vergleich zur Pulverbeschichtung habe, ich habe immer noch ein paar Ich sage mal Kriterien, die ich im Auge behalten muss zusätzlich, die beim Pulver einfach im Beschichtungssystem enthalten sind, die ich mich nicht kümmern muss, nämlich die Eigenschaften des flüssigen Lackes. Und dann kann ich natürlich grundieren, decklackieren, klar lackieren, mit Effekt und allem was dazugehört. Da können die Flüssiglacken in einigen Fällen sogar noch mehr als es die Pulverlacken können, weil sie einfach in der flüssigen Phase ein paar Effekte besser und gleichmäßiger hinbekommen als das ein Pulverlack wahrscheinlich je erreichen wird.
Matthias Bader: Ich denke es ist aber wichtig darauf hinzuweisen, es eben schon Lacke gibt mit ganz speziellen Formulierungen und dass die auch eine spezielle Verdünnung benötigen und den richtigen Härter. Und da muss ich wirklich mir die Mühe machen mein Rezept herzuholen, entweder stets auf der Gewinde oder eben im Datenblatt und da steht eben drin, ich darf nicht die Nitroverdünnung da reinleeren, sondern ich muss die richtige Verdünnung nehmen. Und genauso ist eben auch mit dem Härter, den darf man nicht mit der Gießkanne reinleeren, auf gut Glück. Sondern wie kann man denn das richtig mischen, das Verhältnis zwischen Stammlack und Härter?
Markus Vüllers: Das ganz wichtiges Thema was du ansprichst. Das Mischungsverhältnis, zum einen muss man sich erstmal darüber klar sein, es zwei gibt. Das heißt, in den technischen Datenblättern auf den Gebinden sind in der Regel immer zwei Mischungsverhältnisse angegeben. Ein gravimetrisches nach Gewicht und ein volumetrisches nach Volumen. Das hat einfach damit zu tun, dass jeder typische Lack ein spezifisches Gewicht, eine Dichte hat, die ungleich eins ist. Wasser hat eine Dichte von 1, bei Lacken liegt es in der Regel irgendwo so zwischen 1,4 und 1,5. Es sei denn, ich habe irgendwelche besonders schweren Pigmente drin oder ich habe eine Zinkstaubfarbe, dann ist die Dichte auch schon mal höher und dadurch muss ich als erstes mal entscheiden, möchte ich das Mischungsverhältnis über das Gewicht einstellen oder mit einem Messbecher über das Volumen. Da kommen die ersten schon ins stolpern. Die nehmen nämlich immer das, was oben steht und haben sich da noch nie Gedanken darüber gemacht und schon passiert der erste entscheidende Fehler.
Matthias Bader: Also das ist wichtig, entweder das Ding auf der Waage zu mischen oder eben mit einem ordentlichen Maßstab. Es gibt oft diese Rührhölzer mit einem aufgedruckten Verhältnis von der Messung. Da muss man natürlich auch schauen, dass die Ungenauigkeit bei diesen Verfahren wirklich auch eine Rolle spielt. Man muss das mit Maß und Ziel beachten, aber man hat ein gewisses Toleranzfenster, aber das darf man eigentlich nicht überstrabatzieren.
Markus Vüllers: Ja genau und vor allen muss man die richtige Skala und das richtige Mischholz oder den richtigen Mischstab zum passenden Lacksystem wählen. Also grundsätzlich kann man sagen für den Beschichter, für den Lackprofi, der damit arbeitet ist es an der Stelle schon wichtig einige Zusammenhänge noch zusätzlich zu kennen, weil in einem Pulverlacksystem hat mir in dieser Arbeit letztendlich schon der Hersteller des Pulverlackes abgenommen. Da kann ich sicher sein, dass das Mischungsverhältnis dort schon in den Pulverkörnchen enthalten ist und der Nasslackierer muss es halt anmischen.
Matthias Bader: Ja, heißt mit Viskosität? Das muss doch so richtig sein, wenn ich die beiden Sachen zusammen mische, was muss ich da noch zusätzlich rumrühren?
Markus Vüllers: Theoretisch ist das ja auch so, dass der Lackhersteller, wenn er seine Rezeptur in die entsprechenden Gebinde füllt, in vielen Fällen schon das passende Mischungsverhältnis voreinstellt und auch die Verarbeitungsviskosität voreinstellt. Der Knackpunkt ist einfach, dass die Viskosität extrem temperaturabhängig ist und ich jetzt natürlich sehr genau auf meine Umgebungsbedingungen achten muss und es schon einen riesen Unterschied macht. Ob ich mal einen Lacklager draußen im Container hatte, entweder im Sommer bei 45 Grad oder im Winter bei minus 5 Grad, dann macht es Sinn und ist zwingend erforderlich, die entsprechenden Gebinde vorzutemperieren auf die Temperatur, ich habe, sinnvollerweise 20 Grad Raumtemperatur, weil die Viskosität extremst temperaturabhängig ist. Und dementsprechend muss ich nach dem Mischen die Verarbeitungsviskosität überprüfen. Das mache ich üblicherweise in Betrieb mit einem Auslaufbecher. Auch da kann man ein abendfüllendes Programm raus machen, welches der richtige Becher ist. Das ist alles genormt. Heute erlebt man ganz oft dann die billigen, die bei Temu oder Shein im Internet bestellt werden, wo dann im Prinzip ein Metallbecher mit einem Loch versehen wurde. Das ist kein Auslaufbecher. Damit kann man auch keine Viskosität überprüfen. Ich erlebe es leider Gottes in Nasslakeebetrieben immer häufiger, dass diese selbst gebastelten Dinger da irgendwo hängen. Da muss man schon genau hingucken. Genauso wichtig ist es aber auch, das Rühren vernünftig und professionell zu machen. Da reicht das Rührholz nicht.
Matthias Bader: Da muss man ja schon froh sein, wenn die davon überhaupt Bescheid wissen, dass es so was gibt wie ein Auslaufbecher. Die nächste Stufe ist dann den richtigen nehmen. Viele lassen ja nur die Farbe vom Rührholz ablaufen. Das mag genügen bei einem Profi, der weiß, was er tut. Der sieht es natürlich. Aber wir sprechen immer davon Wissenstransfer. Ich muss es ja weitergeben können.
Markus Vüllers: Ja.
Matthias Bader: Und weitergeben heißt, guck schau mal wie es runterläuft. Und das muss man sich immer wieder im Klaren sein. Und wenn ich eben meinen Prozess hier sauber für mich definiert hab, dann kann ich ihn auch verbal transportieren oder schriftlich transportieren. Das wäre die Königslösung. Und dann steht da drin mit was ich den Lack zu verdünnen habe, die Viskosität einzustellen. Und es ist halt beim Wasserlack nicht...
Markus Vüllers: Hm?
Matthias Bader: Blumenwasser aus der Gießkanne, sondern das muss ich wirklich ein hochreinendes Wasser nehmen, also ein VE-Wasser, ein destilliertes Wasser, ein ordentliches Wasser, das ich hier verwenden kann, das keine Mineralien und Kalkstoffe und sonstige Verschmutzungen hat, den Lack ordentlich zu verdünnen. Ja jetzt sind wir kurz vor der Spritzpichthole.
Markus Vüllers: Ciao!
Matthias Bader: Was gibt es denn für Spritzpistolen?
Markus Vüllers: Dann geht es als erstes mal die Entscheidung, wie kommt denn der Lack zur Pistole? Dann muss ich mir überlegen, welche Bauteile ich mit welchem Verfahren appliziere. Jetzt machen wir es mal ganz einfach. Natürlich kann ich jedes Verfahren auch irgendwie mit Elektrostatik unterstützen, aber die sparen wir uns jetzt mal und wir nehmen jetzt mal auch nicht die automatisierten Verfahren wie eine elektrostatische Hochrotation, sondern wir sprechen jetzt mal nur über die Handlackierung. Da ist der Klassiker immer noch am weitesten verbreitet, die einfache weitverbreitete Druckluftzerstäubung und dort gibt es verschiedene Möglichkeiten wie der Lack zur Pistole gefördert wird. Es kann ein einfacher Fließbecher sein, dass ich die kleine Lackmenge in einen Auslaufbecher, in einen Fließbecher oben einfülle. Das ganze gibt es als Saugbecher. Ich kann das mit einer Pumpe machen, ich kann das mit einer Materialversorgung machen, ich kann das mit einem Druckgefäß machen, also verschiedenste Möglichkeiten.
Matthias Bader: Ich üblicherweise 500 Milliliter bis 1 Liter in einem Arbeitsgang an der Pistole oder nahe der Pistole. Das nächste sind ja dann diese Druckversorgungskessel, die dann wirklich das Lackmaterial über eine Schlauchleitung zur Pistole fördern. Die Zerstäubung findet immer mit Druckluft statt bei diesen Verfahren.
Markus Vüllers: Ja.
Matthias Bader: Und da habe ich ja die Einstellungen Rundstrahl, Flachstrahl und ich kann sowohl Luft wie auch Lackmenge separat einstellen und so kann ich mein gewünschtes Spritzbild mir zurechtzustellen. Und da muss man halt mal bisschen üben und prüfen, welche Geschwindigkeit habe ich. Und bevor wir so weit reingehen, dann müssen wir nochmal schauen, Ganz vorne, in dem Düsenkopf, eine kleine Zahl. Meistens eine Komma dazwischen. Was hatten die zu sagen?
Markus Vüllers: Ja, wir haben jetzt viele Parameter. Wir haben die Düsengröße, die wir beeinflussen können, die vorgegeben ist. Das ist die Zahl, die du anspielst. Wir haben dann aber auch in der Regel ein abgestimmtes Set, was vorne an der Düse eingesetzt wird. Natürlich brauche ich die passende Nadel zur Düse, weil die Nadel die Düse verschließt. Ich brauche meine richtige und passende Hornluftkappe, die ich aufsetze. und ich habe natürlich an jeder Pistole auch die entsprechenden Einstellparameter Materialmenge, Zerstäuber, Druckluft und meine Hornluft, ich einstellen kann. Also es sind schon ziemlich viele Parameter, die manuell verstellt werden müssen, wo dann der Lackierprofi schon sehr genau wissen muss, welchen Einfluss welcher Parameter auf mein Zerstäubungsergebnis und auf mein Spritzbild hat, was ich dann erreiche.
Matthias Bader: Das heißt, ich brauche ein anderes Setting für eine Grundierung, einen Füller, für den Decklack und für den Klarlack wieder ein anderes Setting. Dann haben wir in diesem einfachen Beispiel schon vier verschiedene Pistolen-Settings, die sich im Wesentlichen über die Durchsatzmenge und die Düsen systematisch oder den Durchmesser der Düsen des Düsenlochs spezifizieren.
Markus Vüllers: Also ganz wichtig ist der Lack, gerade wenn wir über zwei Komponenten Lack haben. haben sie eben mal so ganz locker angemischt und haben Stammlack und Hertha zusammengeschüttet. Jetzt reagiert ja der Lack von dem Moment an, wo er zusammengeschüttet ist. Das heißt, die chemische Reaktion startet und jetzt läuft die Topfzeit ab. Das heißt die Zeit, in der sich die Viskosität verändert. Und es gibt dann halt ein Zeitfenster, in dem der Lack noch verarbeitbar ist mit einem adäquaten Verhältnis. Und das muss natürlich der Handbeschichter schon mit ausgleichen und berücksichtigen. Und irgendwann hat er dann den Punkt erreicht, wo dann der Lack nicht mehr verarbeitbar ist. Dann wird es in der Praxis oft gemacht, dass noch mal bisschen Verdünnung nachgeschüttet wird. Kann man machen, ist aber nicht die beste Idee. Das heißt, die bessere Idee wäre gewesen, die angesetzte Menge auf die zu verarbeitende Menge abzustimmen. Dann lieber einmal mehr anrühren. Und das sind halt viele Faktoren, viele Einflussgrößen, die zu berücksichtigen sind. Nur alleine, bis der Lack in der Pistole kommt und verarbeitet und zerstört werden kann.
Matthias Bader: Da ist es wichtig, dass man nicht gleich immer den ganzen Eimer anrührt. Wenn man nur 10 Quadratmeter beschichtet, das muss man sich vorher überlegen. In der Regel haben die Leute die Erfahrung. Aber das sind wichtige Sachen. Gibt es sonst noch Spritzpistolen oder Geräte, die da verwendet werden?
Markus Vüllers: Genau.
Markus Vüllers: Ja, der Vollständigkeit halber, haben jetzt mal das ganze Elektrostatik ausgeblendet. Man kann natürlich auch ohne Druckluft zerstäuben, also ohne zerstäuber Luft. Und wenn man das ohne Luft macht, dann nennt man das ganze Airless, also luftlos. Die klassische Airless Zerstäubung für große Flächen, für dickflüssige Lacke, für eine hohe Flächenleistung, die halt bei großen Bauteilen im Handwerk doch sehr oft und sehr gerne eingesetzt wird. Wo das Zerstäubungsprinzip einfach ein anderes ist, ist es nicht die Druckluft, die den Lack in kleine Tröpfchen zerstäubt und verteilt, sondern da wird es halt dadurch erreicht, dass ich einen hohen Materialdruck habe, den durch eine kleine Düse quetsche und in dem Entspannungsraum danach bilden sich dann die Tröpfchen. Wird der Lack also zerrissen in kleine Tröpfchen. Und man hat halt alle Einflussfaktoren der Druckluft in diesem Fall nicht und kann damit halt relativ große Flächen mit einer hohen Materialmenge in einer entsprechend kurzen Zeit beschichten. Man hohere Schichtdicken erreichen. Das ist dann so das Vorzugsverfahren, wenn es also wirklich Flächenleistung geht.
Matthias Bader: Gleichzeitig wird es oft in Verbindung gebracht mit einem 2K-Mischsystem. Das heißt, ich habe dann eine Zwangsmischung und dann kann ich sicher sein, dass immer frisches Material da ist. Ich muss natürlich die gesamte Spritzeinheit pflegen und reinigen und warten.
Markus Vüllers: Gut, der Vollständigkeit halber nennen wir vielleicht auch noch das Verfahren, was die Firma Samus damals mal ins Leben gerufen hat. Das AirMix-Verfahren, das ist dann die Kombination aus beidem, wo ich dann halt über den Materialdruck zerstreube und dann aber auch die Möglichkeit habe, meinen Spritzstrahl über Luft, über Druckluft zu beeinflussen.
Matthias Bader: Ja.
Matthias Bader: Ja, und jetzt habe ich hier noch die Frage, wie stelle ich die Schichtige ein? Gibt es da irgendeine Schraube an der Pistole, wo ich sagen kann, ich will 100 µ?
Markus Vüllers: Schön wärs, ne? Da gibt es leider den Fachmann, der die Pistole in der Hand hält, der sich da herantesten muss, wann er denn eine optimale Nass-Filmschicht-Dicke erreicht hat. Weil das ist dann so bisschen anders wie beim Pulverbeschichten. Die Lösemittel fliegen ja schon oder verflüchtigen sich ja schon in den Tröpfchen, die auf dem Weg sind zum Bauteil. Und wenn dann die nassen Tröpfchen am Bauteil angekommen sind, Dann dunstet natürlich das Lösemittel sofort ab. Dann kommt die Abdunstzone, dann kommt der Ofen. Das heißt also von Minute, von Sekunde zu Sekunde verändert sich die Nassfilmschichtdicke. Und ja, die kann ich natürlich überprüfen mit einem Schichtdickenkamm, mit einem Rollrad, wo ich die Schichtdicke im nassen Zustand überprüfen kann. Ich kann natürlich auch berührungslos die Schichtdicke im Nasslack messen. Allerdings muss ich mir halt darüber im Klaren sein, dass die sich wirklich von Sekunde zu Sekunde verändert. Das heißt, ich habe dann wirklich nur eine kurze Momentaufnahme und muss dann halt anschließend dann doch mal meinen Gegencheck machen mit den ausgehärteten Lacken, damit ich die Schichtdicke überprüfe.
Matthias Bader: Und jeder kennt es, wenn man es zu gut meint beim Nasslackieren, dann kommt der Tränengott und dann kommen die Läufer und dann kommt die ganze Sache plötzlich in Schwung. Dann hat man den Schwung, den man eigentlich am liebsten vermieden hätte. Insofern ist es auch hier sinnvoll, dass man die Schichtige über mehrere Schritte plant, dass man ein- oder zweimal grundiert und dann zum Schluss den Decklack appliziert. Und so haben wir zum Beispiel ein Korrosionsschutzsystem dreischichtig aufgebaut und kann hier in drei Schichten die entsprechenden einzelnen Schichten aufbauen. Und das hat natürlich auch den Vorteil von mehreren Beschichtungslagen. Das heißt, Failstellen werden in der Regel durch die nächste Schicht überdeckt.
Markus Vüllers: Und hier habe ich jetzt genau den Punkt, natürlich die ganzen Dinge, die wir im Vorfeld schon angesprochen haben, eine Rolle spielen. Die passende Viskosität, die passenden Arbeitsbedingungen, was die Umluft- und Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit angeht. Also alles Faktoren, die jetzt die Läuferneigung, die Spritznebelaufnahme mit beeinflussen. Also alles in allem kann man sagen, ist der reine Beschichtungsprozess etwas komplexer. Es sind viele, die halt eben, wenn es geht, in Richtung Pulverbeschichtung wechseln, was absolut sinnvoll ist. Aber es gibt halt eben immer noch die entsprechende Daseinsberechtigung für gewisse Technologien und Effekte und Lacksysteme, wo ich mit dem Pulver halt eben noch nicht so weit bin.
Matthias Bader: Wir sehen schon an der Zeit, das Thema ist komplex, groß und nicht einzufangen. Deswegen freuen wir uns über eure Kommentare und Hinweise, gern über LinkedIn oder über die Kommentarfunktion vom Podcastprogramm. Und ich denke, es ist an meiner Seite immer zu sagen, passt auf, es gibt eine schwierige, nicht teilbare Krankheit. Das ist die Lackdoseintoleranz. Und damit möchte ich euch alles Gute wünschen und eine schöne Zeit. zum nächsten Mal.
Markus Vüllers: Bis zum nächsten Mal, ciao ciao.
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